13. März 2017

"Die Welt braucht nicht noch eine Medienstudentin" - MEIN 1. SEMESTER



"Manchmal hab ich mir gewünscht von diesem Ort hier zu verschwinden, aber heute weiß ich, wie schwer es ist sowas wie Heimat wo anders zu finden."

Es gab eine Zeit in der ich unbedingt in eine Großstadt wollte. Berlin, Hamburg, Köln.
Aber heute weiß ich, dass ich ein Mensch bin, der sich mit großer Wahrscheinlichkeit verliert, wenn der Raum um mich nicht fassbar ist. Wenn man den Horizont nicht sehen kann und eine Stadt zu groß ist, um schön zu sein (außer Hamburg - Hamburg ist immer schön).
Wenn eine Stadt für mich nur Flecken sind, die ich mit der U-Bahn anfahre, während ich in der U-Bahn nichts von ihr sehen kann.
Heute weiß ich, dass ich in Städten das Gefühl von Heimat suche und es die Dinge, die ich brauche, auch in kleinen Städten gibt. Und alles, was größere Städte mehr haben Beiwerk ist, das ich nicht fassen kann und darin die Orientierung verliere.
Heute weiß ich, dass wo ich bin nicht definiert wer ich bin.

Ich fahre jeden Tag zur Uni am Anger, am Rathaus, am Dom vorbei. Sehe Familien, Freunde und alte Menschen, die mir das Gefühl von Heimat geben. Oft steigen an manchen Stationen die selben Menschen ein und ich treffe Leute wieder, die ich vom Sehen "kenne".

Eines Nachts, als wir feiern waren, dachte ich, dass mein Weg nach Hause zu weit wäre um ihn zu Fuß zu bestreiten und bekam Angst, weil keine S-Bahnen mehr fuhren. Ein Mädchen auf der Toilette beruhigte mich als sie sagte: "In Erfurt kann man gar nicht weit weg von Zuhause sein. Du kannst von Bars immer nach Hause laufen und - egal wo du wohnst - du brauchst nie länger als 15 Minuten."
Und genau so war es.

Ich liebe diese Stadt und ich liebe es Menschen darin gefunden zu haben, die sich für denselben Weg entschieden haben und wir ihn nun zusammen gehen können.
Und wenn man mich fragen würde, würde ich sagen, dass ich sowas wie Heimat gefunden habe. Plätze, die meine geworden sind. Routine, die mir das Gefühl von Beständigkeit gibt. Ruhe, die mich die Schnelllebigkeit vergessen lässt. Wiedersehen, das mir das Gefühl gibt nicht allein zu sein.
Und genau die richtige Dosis (?) an Weite und Vielfalt, die mir das Gefühl der Enge nimmt und jenes, nicht einer von Vielen zu sein, aber trotzdem etwas Besonderes (Mein Gott, wie das klingt).

Zu meinem Studium möchte ich nur eines sagen:
Ich studiere jetzt seit 6 Monaten Literaturwissenschaft im Hauptfach und Philosophie im Nebenfach. Ich kenne alle Vorurteile und Klischees. Ich kenne das gesamte Risiko was Berufe dazu betrifft -
und ich liebe es jeden Tag mehr - die Welt braucht nicht noch eine Medienstudentin.

Und wenn man mich fragen würde, würde ich sagen, dass ich jedem wünsche, etwas zu finden das man für das lieben kann, was es ist. Dass man es schafft sich für Dinge zu entscheiden und es schafft sich von dem, was man sich darüber erzählt, frei zu machen. Denn am Ende des Tages fragt niemand, ob du gerne aufstehst, ob du gerne den Winkel zwischen zwei Planeten ausrechnest, weil du dich aufgrund guter Berufschancen dafür entschieden hast.

Und wenn man mich weiter fragen würde, würde ich sagen, dass ich jedem wünsche nicht der Illusion nachzurennen, die Stadt würde definieren, wer man ist.
Dass man jede Stadt, egal wie groß oder klein sie ist, zu seiner machen kann. Dass die Größe nicht die Möglichkeiten bestimmt, weil man 70% der Möglichkeiten sowieso nicht wahrnimmt.
Weil keiner dir den Weg nach Hause zeigt, wenn du dich verläufst.


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